Page 53 - 45 Jahre CSU Neuching
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Chronik des CSU-Ortsverbandes Neuching
Aber ich werde einen Weg wählen, der den Menschen in den Mittelpunkt rückt. Die
Situation ist in vielen politischen Feldern so schwierig geworden, dass es wohl ohne
schmerzliche Einschnitte nicht gehen wird. Aber wenn glaubwürdige Konzepte vorgelegt und
die Lasten gerecht verteilt werden, verstehen es die Menschen auch.
Der jetzt für Ebersberg zuständige Abgeordnete Stephan Mayer aus Altötting hat das
Chemiedreieck und Ebersberg vertreten, da waren die Interessen relativ gleich. Vor allem,
was die A 94 betrifft.
Wie wollen Sie den Spagat schaffen, beide Landkreise zufrieden zu stellen?
Lehmer: Ich glaube nicht, dass da ein Spagat nötig ist, weil ich weiß, was eine
überregionale Verkehrsanbindung bedeutet und dass beide Bereiche sie brauchen. Ob FTO,
A 94 oder S-Bahn-Ringschluss. Ich war bei all diesen Planungen noch aktiv im Kreistag
dabei. Nur bei dem Streitthema Trassenführung nicht mehr. Betroffene wird's immer geben,
bei jeder Trasse. Aber es ist populistisch, von einem neuen Abgeordneten zu verlangen, jetzt
Stellung zu beziehen. Die Trasse ist politisch zurzeit nicht verhandelbar. Wenn sich das
wieder ändert, muss ich die neuen Gesichtspunkte abwägen. Zunächst steht die Trasse
Dorfen und wir müssen warten, wie die Verfahren weiter gehen. Ich hoffe, das zieht sich
nicht zu sehr in die Länge.
Wo sehen sie Berührungspunkte bei den beiden Landkreisen?
Lehmer: Ebersberg und Erding haben als Spange um das Ballungszentrum München
ziemlich homogene Voraussetzungen, wenig Divergenzen. Siedlungsdruck,
Gewerbeansiedlung und damit die infrastrukturellen Maßnahmen sind unsere Probleme. Wir
müssen raus aus den Ortschaften und die Menschen schnell dahin bringen, wo sie hin
wollen und müssen - zu den Arbeitsplätzen und zu den überregionalen Anbindungen, in
unserem Fall auch zum Flughafen.
Da kommen wir zum Problem Nachtflugregelung.
Lehmer: Hier muss man auf die berechtigten Belange der Leute Rücksicht nehmen. Es
muss Ruhezeiten geben, da führt kein Weg vorbei. Nur, was ist die Kernzeit? Das ist immer
die Balance zwischen dem wirtschaftlich Notwendigen und dem menschlich und
umweltpolitisch Verträglichen. Das ist der Kompromiss, den man suchen muss. Um den
Schutz der Bevölkerung in dem sensiblen Bereich Nachtruhe kommen wir nicht herum. Aber
eine Patentlösung habe ich genau so wenig, wie andere. Die Leute fliegen immer mehr, und
wenn mehr Fluggäste da sind, steigt notgedrungen die Belastung der Anwohner.
Da kommt natürlich das Thema dritte Startbahn.
Lehmer: Ich kann die Notwendigkeit im Moment nicht erkennen. Aber bei den beiden,
vorhandenen wird irgendwann der Punkt erreicht sein, an dem nichts mehr geht. Wenn sich
der Flughafen und die Attraktivität dieses Standortes so weiter entwickeln, dann kann man
sich's ausrechnen. Dass das zwangsläufig zu zusätzlichen Problemen führt, ist auch klar,
das wird ein schweres Thema.
Gibt es für Sie zwingende Voraussetzungen, um einer dritten Startbahn zustimmen zu
können?
Lehmer: Ich sehe als zwingende , Voraussetzung an, dass wir das erledigen müssen,
was zur Eröffnung schon fertig sein sollte. So war das nämlich vereinbart. Die FTO, der S-
Bahn-Ringschluss, die gesamte Erschließung des östlichen Raumes. Man kann nicht
erweitern, wenn die ersten Hausaufgaben nicht gemacht worden sind. Bei der FTO sind wir
Gott sei Dank, bei den beteiligten Gemeinden so weit, dass wir die Anbindung kriegen. Das
Thema A 94 ist leider noch offen, das wird sich, fürchte ich, auch noch hinziehen. An der
Schiene ist man jetzt dran. Bevor das nicht alles erledigt ist, kann es keine dritte Startbahn
geben.
© CSU-Ortsverband Neuching – zusammengestellt von Hans Markus Wellers -Stand 09/2020 - Seite 54 von 143

